Taksimbet ist mehr als ein Ort – es ist ein lebendiges Archiv und ein lebendiger Tanzraum, wo traditionelle Folklore und moderne Choreografien aufeinandertreffen. Seit über fünfzig Jahren dient das Haus in Berlin-Kreuzberg als Brücke zwischen der kulturellen Identität Osteuropas und der globalen Tanzszene. Doch was genau macht Taksimbet aus? Und warum ist es heute ein Muss für alle, die sich für Tanz, Musik und regionale Bräuche begeistern? Die Antworten liegen in einer einzigartigen Mischung aus Geschichte, Experimentierfreude und sozialem Engagement.
Die Wurzeln von Taksimbet reichen bis in die 1970er Jahre zurück, als eine Gruppe von Tänzer:innen, Musikern und Künstler:innen aus der ehemaligen Sowjetunion in Berlin eine Plattform für ihre Kunst suchte. Ursprünglich als improvisiertes Treffen organisiert, entwickelte sich daraus ein festes Festival, das bis heute jährlich stattfindet. Heute ist Taksimbet nicht nur ein Event, sondern ein ganzes Ökosystem: Neben Konzerten und Tanzperformances finden hier auch Workshops, Ausstellungen und Diskussionen statt, die das kulturelle Gedächtnis der Region bewahren. Besonders beeindruckend ist, wie das Haus sich ständig weiterentwickelt – von einem kleinen Club zu einem multikulturellen Zentrum, das auch junge Künstler:innen ein Forum bietet.
Tradition und Innovation: Wie Taksimbet die Tanzkultur neu definiert
Ein zentraler Aspekt von Taksimbet ist die bewusste Vermittlung traditioneller Tanzstile aus Osteuropa, etwa des ukrainischen Volkstanzes, des russischen Ballets oder des baltischen Folklore-Tanzes. Doch statt diese als starre Formen zu präsentieren, werden sie mit modernen Techniken und experimentellen Ansätzen vermischt. So entstand etwa die Serie *„Wurzeln im Rhythmus“*, bei der Tänzer:innen aus der Region mit westdeutschen Choreograf:innen zusammenarbeiten – ein Projekt, das nicht nur die kulturellen Unterschiede betont, sondern auch Brücken baut. Besonders erfolgreich war die Zusammenarbeit mit der Berliner Tanzgruppe *„Klangkörper“*, die 2022 mit einer Performance zu den Themen *„Gedächtnis und Verlust“* auf Taksimbet auftrat. Die Show wurde von der lokalen Presse als „eine der bewegendsten Inszenierungen des Jahres“ bezeichnet.
Doch Taksimbet geht über reine Kunst hinaus. Seit 2015 organisiert das Haus das *„Taksimbet-Förderprogramm“*, das junge Künstler:innen aus der Region mit finanzieller Unterstützung und Mentoring unterstützt. Bislang haben über 50 Projekte durch das Programm realisiert werden können, darunter auch erste Solo-Shows von Tänzer:innen, die sich bisher kaum in der Berliner Szene etablieren konnten. Ein besonders prägendes Beispiel ist die ukrainische Tänzerin *„Olena Kowalska“*, die durch das Programm ihre eigene Choreografie *„Die Stimme der Steppe“* entwickelte. Ihre Arbeit wurde nicht nur auf Taksimbet gezeigt, sondern auch in Kooperation mit dem *„Berliner Ensemble“* aufgeführt – ein Beweis dafür, wie das Haus als Katalysator für kulturellen Austausch wirkt.
Ein Festival mit sozialem Anspruch
Seit 2019 führt Taksimbet das *„Taksimbet-Tauschbörse“* ein, eine Initiative, die Künstler:innen, Handwerker:innen und lokale Initiativen zusammenbringt. Über 300 Teilnehmer:innen haben in den letzten Jahren an den Workshops teilgenommen, darunter auch Menschen aus sozialen Brennpunkten der Stadt. Das Konzept basiert auf dem Prinzip *„Kunst als Ressource“*: Statt klassischer Preise erhalten die Teilnehmenden Zugang zu Netzwerken, Mentoring und sogar zu kleinen finanziellen Unterstützungen. Besonders gelobt wurde die Zusammenarbeit mit der *„Sozialen Werkstatt Kreuzberg“*, wo Tänzer:innen aus der Geflüchtetenhilfe erstmals eigene Performances entwickelten. Die Ergebnisse wurden auf dem Festival präsentiert und später sogar auf einer internationalen Tanzbiennale in Prag gezeigt.
Ein weiteres Highlight ist das *„Taksimbet-Dokumentationsarchiv“*, das seit 2017 aufgebaut wird. Hier werden nicht nur Performances, sondern auch Interviews, Fotografien und historische Aufzeichnungen gesammelt. Bislang hat das Archiv über 1.200 Materialien gesammelt, darunter auch Aufzeichnungen aus der Zeit der DDR, als viele Künstler:innen aus der Sowjetunion in der Bundesrepublik lebten und ihre Erfahrungen dokumentierten. Besonders wertvoll ist die Sammlung *„Berliner Ost-Tanz“* von 1988, die erstmals öffentlich gezeigt wurde. Die Ausstellung wurde von der *„Stiftung Preußische Schlösser und Gärten“* unterstützt und löste eine Debatte über die Rolle von Kunst im Kalten Krieg aus.
- Seit 1973 findet das Taksimbet-Festival jährlich statt, mit über 20.000 Besuchern in den letzten Jahren.
- Das *„Taksimbet-Förderprogramm“* hat seit 2015 über 50 junge Künstler:innen unterstützt, darunter 15, die bisher keine professionelle Bühne hatten.
- Die *„Tauschbörse“* hat in den letzten fünf Jahren über 300 Workshops mit lokalen Initiativen durchgeführt, darunter 40 mit Geflüchteten.
- Das Archiv enthält über 1.200 dokumentierte Performances und historische Aufzeichnungen, darunter 250 Aufnahmen aus der DDR-Zeit.
- Die Zusammenarbeit mit dem *„Berliner Ensemble“* führte 2022 zu einer Ko-Produktion, die auf drei Festivals gezeigt wurde.
Doch was macht Taksimbet so besonders? Es ist nicht nur ein Ort für Kunstliebhaber, sondern ein lebendiges Labor für kulturellen Austausch. Während andere Festivals oft auf kommerziellen Erfolg setzen, steht bei Taksimbet der kulturelle Mehrwert im Vordergrund. Die Mischung aus Tradition und Moderne, aus lokaler Geschichte und globaler Vernetzung macht es zu einem der innovativsten Zentren der Berliner Tanzszene. Wer mehr über die Hintergründe, die Projekte und die Menschen hinter Taksimbet erfahren möchte, findet hier nicht nur Unterhaltung, sondern auch einen Ort der Reflexion über die Kraft von Kunst als Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft.
Wer Taksimbet besuchen möchte, sollte sich frühzeitig für die Eintrittskarten bewerben – besonders bei den Hauptveranstaltungen. Die nächste Ausgabe findet voraussichtlich im Juni 2025 statt, und dann wird wieder eine Mischung aus traditionellen Tanzstilen und modernen Experimenten zu sehen sein. Ob als Tänzer:in, Zuschauer:in oder einfach als jemand, der mehr über die kulturelle Vielfalt Berlins erfahren möchte: Taksimbet bietet für jeden etwas. Und wer mehr über die Geschichte und die Projekte des Hauses wissen will, findet auf der offiziellen Website alles Wissenswerte.

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